Positionsliquidierungen aufgrund von Fälligkeit

Background: 

Zusätzlich zu unseren Richtlinien und Verfahren hinsichtlich der Zwangsauflösung von Kundenpositionen im Falle eines Echtzeit-Margindefizits liquidiert IB ebenfalls Positionen mit Blick auf bestimmte fälligkeitsbezogene Ereignisse, die bei ihrem Eintritt nicht tragbare Risiken und/oder betriebliche Beeinträchtigungen entstehen würden. Nachstehend werden Beispiele für solche Ereignisse beschrieben.

Ausübung von Optionen

IB behält sich das Recht vor, die Ausübung von Aktienoptionen und/oder die Schließung von Short-Positionen in Optionen zu unterbinden, falls diese Ausübung/Zuteilung zu einem Margin-Defizit in dem entsprechenden Konto führen würde. Für den Kauf einer Option entstehen in der Regel keine Margin-Erfordernisse, da die Position vollständig bezahlt wird. Sobald eine Ausführung erfolgt, ist der Kontoinhaber verpflichtet, entweder die resultierende Aktien-Long-Position vollständig zu bezahlen (im Falle einer Call-Option, die in einem Cash-Konto ausgeführt wird, oder bei Aktien mit einer Margin-Anforderung von 100%) oder für die Finanzierung der Aktien-Long/Short-Position aufzukommen (im Falle einer Call-/Put-Option, die in einem Margin-Konto ausgeführt wird). Konten, die im Vorfeld der Ausübung nicht mit genügend verfügbarem Kapital ausgestattet wurden, verursachen ein nicht tragbares Risiko mit Blick auf den möglichen Fall, dass bei Lieferung eine nachteilige Kursentwicklung im Basiswert eintritt. Dieses nicht abgesicherte Risiko kann besonders ausgeprägt sein und weit über jeden Wertbetrag der Long-Option im Geld hinausgehen; dies gilt insbesondere bei Fälligkeit, wenn Clearingstellen Optionen automatisch zu sehr niedrigen im Geld liegenden Niveaus wie $0.01 pro Aktie ausüben.

Als Beispiel sei ein Konto angenommen, dessen Kapital an Tag 1 ausschließlich aus 20 Long $50 Strike Call-Optionen auf die hypothetische Aktie XYZ besteht, die bei Fälligkeit einen Schlusskurs von $1 pro Kontrakt verzeichnen, während der Basiswert bei $51 notiert. In Szenario 1 sei wird angenommen, dass sämtliche Optionen automatisch ausgeübt werden und XYZ an Tag 2 mit einem Kurs von $51 eröffnet. In Szenario 2 wird angenommen, dass sämtliche Optionen automatisch ausgeübt werden und XYZ an Tag 2 mit einem Kurs von $48 in den Handel geht.

Kontostand Vor Fälligkeit

Szenario 1 - XYZ Eröffnungskurs: $51

Szenario 2 - XYZ Eröffnungskurs: $48
Barguthaben
$0.00 ($100,000.00) ($100,000.00)
Aktien - Long $0.00 $102,000.00 $96,000.00

Optionen - Long*

$2,000.00 $0.00 $0.00
Netto-Liquidierungskapital/(-defizit) $2,000.00 $2,000.00 ($4,000.00)
Margin-Anforderung
$0.00 $25,500.00 $25,500.00
Margin-Überschuss/(-Defizit) $0.00 ($23,500.00) ($29,500.00)

*Long-Option hat keinen Beleihungswert.
 

Um sich gegen diese Szenarien zu schützen wenn der Verfallszeitpunkt näher rückt, simuliert IB die Auswirkungen des Verfalls unter Annahme plausibler Kursszenarien und bewertet das Risiko jedes Kontos auf Basis einer angenommenen Aktienlieferung. Falls das Risikopotenzial als zu hoch eingestuft wird, behält sich IB das Recht vor, folgende Maßnahmen zu ergreifen: 1) Liquidierung von Optionen vor Fälligkeit; 2) Optionen verfallen lassen; und/oder 3) Zulassen der Lieferung und anschließend umgehende Liquidierung des Basiswerts.  Darüber hinaus kann dem Konto eine Beschränkung auferlegt werden, die die Eröffnung neuer Positionen unterbindet, damit eine Erhöhung des Risikopotenzials vermieden wird.

IB behält sich weiterhin das Recht vor, Positionen am dem Nachmittag vor Abwicklung zu liquidieren, falls die Systeme von IB prognostizieren, dass die Abwicklung zu einem Margin-Defizit führen würde. Um sich gegen diese Szenarien zu schützen wenn der Verfallszeitpunkt näher rückt, simuliert IB die Auswirkungen des Verfalls unter Annahme plausibler Kursszenarien für den Basiswert und bewertet das Risikopotenzial jedes Kontos nach den Abwicklung. Falls IB beispielsweise prognostiziert, dass in Folge der Abwicklung Positionen aus dem Konto entfernt werden (z. B. falls Optionen bei Fälligkeit nicht im Geld liegen oder Optionen mit Barausgleich im Geld liegend fällig werden), so werden die Margin-Auswirkungen dieser Abwicklungsereignisse von den IB-Systemen analysiert.

Falls IB zu der Einschätzung kommt, dass das Risikopotenzial zu hoch ist, liquidiert IB ggf. Positionen in dem entsprechenden Konto, um das voraussichtliche Margin-Defizit zu vermeiden. Kontoinhaber können das fälligkeitsbezogene Margin-Risiko über die Kontoübersicht in der TWS im Auge behalten. Der voraussichtliche Margin-Überschuss wird dort in der Zeile mit der Bezeichnung „Margin nach Verfall“ angezeigt (siehe unten). Liegt der Wert im negativen Bereich, erscheint die Zeile rot hinterlegt und zeigt Ihnen an, dass es in Ihrem Konto zu Zwangsauflösungen von Positionen kommen kann. Diese Risikoberechnung erfolgt 3 Tage vor dem nächsten Verfallszeitpunkt und wird in etwa alle 15 Minuten aktualisiert. Bitte beachten Sie, dass diese Informationen bei bestimmten Kontotypen mit einer hierarchischen Struktur (z. B. Konten mit getrennten Handelslimiten) nur auf der Master-Konto-Ebene angezeigt werden, auf der die gesammelte Berechnung erfolgt.

Bitte beachten Sie, dass IB fälligkeitsbezogene Liquidierungen in aller Regel 2 Stunden vor Handelsschluss vornimmt. IB behält sich jedoch das Recht vor, diesen Vorgang früher oder später zu beginnen, falls die Umstände es erfordern. Zusätzlich werden Liquidierungen nach einer Reihe kontospezifischer Kriterien priorisiert, wie z. B. dem Nettoliquidierunsgwert, dem voraussichtlichen Defizit nach Verfall und der Beziehung zwischen dem Optionsausübungspreis und dem Basiswert.

 

Futures mit physischer Lieferung

Mit Ausnahme bestimmter Futures-Kontrakte mit Devisen als Basiswert, gestattet IB es Kunden grundsätzlich nicht, dass Kunden bei Futures oder Futures-Optionen mit physischer Abwicklung Lieferungen des Basiswerts tätigen oder empfangen. Um eine Lieferung bei einem auslaufenden Kontrakt zu vermeiden, muss der Kunde entweder den Kontrakt verlängern oder die Position vor der kontraktspezifischen Close-Out-Deadline schließen (eine Liste dieser Fristen finden Sie auf unserer Website). 

Bitte beachten Sie, dass es in der Verantwortung des Kunden liegt, sich über die relevanten Close-Out-Deadlines zu informieren. Positionen mit physischer Lieferung, die nicht binnen des vorgegebenen Zeitrahmens geschlossen werden, werden ggf. durch IB ohne vorherige Ankündigung liquidiert.